Fest mit Überraschung

Fest mit Überraschung

Rosa und Roxy sprachen über dies und das, bis die Unterhaltung beim Fasching ankam und sie in der Sekunde wussten: Sie wollten ein Faschingsfest organisieren, so, wie es auch in den letzten beiden Jahren eines gegeben hatte. In der Schulversammlung, die seit Schließung Freizeitversammlung heißt, beantragten sie, gemeinsam mit Chiara, einer Freundin, das Fest ausrichten zu dürfen. Da sie ja wussten, dass die Schule aktuell durch schwierige finanzielle Zeiten geht und kein Budget für Veranstaltungen hat, beantragten sie außerdem, für Getränke und Snacks pro Person 3 Euro kassieren zu dürfen

Die Schulversammlung, in der Mitarbeiter und Schüler gleichberechtigt sind, ist das entscheidende Organ an Sudbury Schulen. Jetzt hoben alle Anwesenden die Hand, Antrag angenommen.
In den kommenden Wochen machten sich die Mädchen, 10, 13 und 13 Jahre alt, an die Organisation. Das war für sie kein notwendiges Übel, sondern ein großes Vergnügen: Sie erstellten Listen, verfassten die Einladung, legten Regeln fest (Eltern dürfen auch kommen, aber nur verkleidet.), stellten ein Programm auf („Wie schreibt man „Jerusalem“ in „Reise nach Jerusalem?“), bastelten Girlanden nach eigenen Ideen, organisierten Diskokugel und Musik, diskutierten hitzig über die Song-Auswahl, arbeiteten an ihren eigenen Kostümen, sammelten in der selbstgebauten Kasse das Geld ein.
Am Wochenende vor dem geplanten Fest dekorierten sie den großen Raum der Schule und hängten im ganzen Haus bunte Programmzettel aus. Und: Sie machten kräftig Werbung bei allen Schülern und Eltern, auch bei denen, die nach der Schließung andere Wege gegangen waren. Etwa die Hälfte der ehemals 45 Schüler kommt noch regelmäßig zu den Nachmittagstreffs, die andere Hälfte ist zerstreut auf andere Schulen, andere Orte, bis nach Berlin - und wird schmerzlich vermisst.
Kurz vor dem Fest taten die Organisatorinnen sehr geheimnisvoll und erklärten strahlend, dass sie auch noch eine große Überraschung hätten! Es wurde gerätselt und gebohrt, die Mädchen tuschelten und versuchten ihr Bestes, dicht zu halten, schafften es fast.
Dann also endlich: das Fest! Babys, Piraten, Elfen und Fantasiegestalten tanzten und spielten, hatten Spaß. Nach zwei Stunden die Überraschung: Keine Eistorte, kein Preis zu gewinnen, sondern plötzlich stand eine Schülerin in der Tür, die mit ihren Eltern nach Schließung aus Bayern weggezogen war. Umarmungen, Jubel, große Freude. In dem Moment war deutlich zu spüren, wie wichtig jeder Einzelne in dieser Schulgemeinschaft ist – dass er zur großen Überraschung erklärt wird – und keiner findet das übertrieben, ganz im Gegenteil. Und dann kamen plötzlich weitere Ehemalige, mit denen die Organisatorinnen selbst nicht gerechnet hatten. „Es ist fast wie früher!“ – immer wieder hörte man diesen Satz.
Am Ende sollte sich noch herausstellen, dass die drei Mädchen gut gewirtschaftet hatten. Von ihrem Budget blieben über 20 Euro über. Die spendeten sie der Schule.

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