Das sind wir!


Das sind wir!
Ziemlich schnell nach der Schulschließung, dem großen Schock, entschieden wir, dass wir die Schule weiter aufmachen würden: Nachmittags anstatt vormittags, an drei Tagen der Woche. Wir nannten dies „Freizeittreff“ und die Schulversammlung hieß nun Freizeitversammlung und die Schulpflicht erfüllten wir auch nicht mehr.
Trotzdem war es eine unserer besten Entscheidungen, uns weiter zu treffen und zu stärken, weiter auf unsere Art an unserem vertrauten Ort zu leben und zu lernen. Ein toller Moment war das, als Schüler und Mitarbeiter nach zwei Wochen plötzlich wieder da waren, die einen ihre Nudeln unter dem Arm, wie immer, die anderen im zielstrebigen Gang zu ihrem Stammplatz. Es kamen nicht alle, aber anfangs noch die meisten. Manche Familien sind in den nächsten Wochen gegangen, jede aus ihren ganz eigenen Gründen. Leicht war und ist die Situation für niemanden.
Alle Gründer und Mitarbeiter sind geblieben, bis auf einen, der einen festen Job angenommen hat – vorübergehend! Die Hälfte der Familien ist ebenfalls noch da, andere werden wiederkommen, sobald die Schule wieder offiziell eröffnen darf.
Für uns Mitarbeiter ist es ein ziemlicher Kraftakt, die regelmäßigen Treffen aufrecht zu erhalten. Keiner von uns wird bezahlt, alle müssen ihr Leben und ihre Familien finanzieren und setzen sich gleichzeitig mit viel Energie dafür ein, dass die Schule möglichst bald wieder genehmigt wird. Trotzdem würde ich mir lieber ein Bein ausreißen, als die Treffen aufzugeben. Diese Zusammenkünfte: Das sind wir!
Vielen Schülern geht es genauso. „Gehst du eigentlich noch reiten?“, fragte ich neulich Pia, ein 12-jähriges Mädchen. Die Antwort: „Nein, damit habe ich für den Freizeittreff aufgehört.“ Die Schüler haben es sich angewöhnt, über eine whatsapp-Gruppe kurz abzufragen: „Wer kommt am Dienstag?“ - „Ich komm“, „Ich auch“, „Kann leider nicht“, „Komm etwas später!“
Ehrlich gesagt: Es fühlt sich anders an als vorher. Das Schulhaus ist leerer, wir haben kein Budget für Schulmaterial und Projekte, es ist nicht leicht, unsere Strukturen aufrecht zu erhalten und keiner von uns weiß, wie es genau weitergehen wird. Aber wir genießen das Zusammensein! Im Atelier wird mit Ton gearbeitet, am großen Tisch macht ein Schüler seine Hausaufgaben für die andere Schule, die er jetzt besucht („aber nur vorübergehend“), unten lernen Jugendliche Mathe, draußen spielen sie Fußball, und wie immer wird viel geredet, natürlich auch über unsere aktuelle Situation: über Demokratie und Mitbestimmung, Schulpflicht und Gerichtsentscheide und was es bedeutet, stehenzubleiben und sich weiter einzusetzen.
Neulich waren wir mal wieder im Wald und spielten „Capture the flag“, eines unserer Lieblingsspiele. Zwei Mannschaften müssen versuchen, sich gegenseitig die Fahne zu stehlen. Manchmal kommt es vor, dass man ziemlich lange herumsteht, weil man die Fahne bewacht oder weil man gefangen wurde. Das macht aber nichts, denn fast immer steht jemand neben einem, mit dem man sich gut unterhalten kann. Diesmal habe ich Gelegenheit, mit Pia zu plaudern. Sie kommt darauf zu sprechen, dass sie und ihre Freundin Rosa früher manchmal gegen Schulregeln verstoßen haben und deswegen auch mal zuhause bleiben mussten. Sie sagt: „Heute wünschte ich mir, wir hätten keinen einzigen Tag gefehlt, dann hätten wir die Schule noch mehr genießen können.“

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