Statement des wissenschaftlichen Beirates zur aktuellen Situation

Erklärung

Wir, die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats der Sudbury Schule Ammersee, sind bestürzt darüber, dass die Regierung von Oberbayern der Sudbury Schule Ammersee die Weitergenehmigung verweigern möchte. Hiermit möchten wir uns ausdrücklich für den Erhalt der Schule aussprechen!

Die Sudbury Schule Ammersee orientiert sich am Modell der Sudbury-Schulen, das vor fast 50 Jahren im Sudbury-Valley bei Boston, Massachusetts, entwickelt wurde und seitdem hoch erfolgreich an der Mutterschulen sowie an zahlreichen weiteren Schulen, die weltweit in demokratischen Ländern entstanden sind, umgesetzt wird. Darüber hinaus gibt es zahlreiche demokratische Schulen mit einem ähnlichen Ansatz in vielen Ländern, zum Beispiel in Spanien oder England.

Die Erfolge von Sudbury Schulen stellen sich unabhängig von der Kultur des jeweiligen Landes ein, egal, ob in den USA, Israel, Belgien, Holland, Frankreich oder Deutschland. Bildung, wie sie an der Sudbury Schule Ammersee praktiziert wird, ist demnach kein Experiment, sondern ein ausgereiftes, durchdachtes und vielfach erprobtes und bewährtes Konzept. Was treibt diese Entwicklung an, deren Ursprung weit vor der Gründung der Mutterschule im Sudbury Valley vor 50 Jahren liegt, und die derzeit einen großen Aufschwung erlebt? Warum sind diese Schulen gerade heute so relevant? Im Jahr 2016?

Das Informationszeitalter stellt völlig neue Herausforderungen an unsere Gesellschaft und an die heutigen Schüler. Die konventionellen Schulsysteme vieler Länder scheitern hier. Sie sind nicht in der Lage, die Schüler auf die Herausforderungen vorzubereiten, die sie als Erwachsene erwarten. Wissen, das heute aktuell ist, kann morgen bereits überholt sein. Lebenswege sind heute sehr viel individueller. Es ist unmöglich für eine Schule mit festem Curriculum und somit stark eingeschränkten Lerninhalten sowie mit der Haltung, dass das Wissen, das Schülern heute vermittelt wird, tatsächlich das ist, was sie für ihr Leben brauchen werden, die Heranwachsenden Menschen adäquat zu unterstützen.

Im Gegensatz dazu stellen Sudbury Schulen eine Umgebung dar, in der die Schüler alle Möglichkeiten haben, sich selbst und ihre Fähigkeiten kennenzulernen, Interessen herauszubilden und intensiv zu verfolgen, als Persönlichkeit zu reifen und sich in demokratischen Prozessen zu üben, ja, das Wesen der Demokratie in seiner Tiefe zu durchdringen. Sie sind im besten Sinne vorbereitet auf ein Leben nach der Schule, da sie genau die Fähigkeiten trainieren, die sie später brauchen werden: Entscheidungen zu treffen, sich Wissen anzueignen, Situationen einzuschätzen, Probleme zu lösen, als Individuum in einer Gemeinschaft zu leben und demokratische Strukturen zu nutzen und mitzugestalten.

Sudbury Schulen sind Schulen des 21. Jahrhunderts, sie haben eine Vorrreiterrolle für zukünftige Entwicklungen. Die Regierung hatte den Mut, die Sudbury Schule Ammersee, die sich so sehr von den üblichen Schulen unterscheidet, zu genehmigen – wozu wir ihr ausdrücklich gratulieren. Wir appellieren daran, dass dieser begonnene Weg nicht schon nach dem ersten Atemzug wieder beendet, sondern weiterverfolgt wird. Es kann nicht anders sein, als dass die Regierung und der Freistaat Bayern in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Erfolge dieser Schule sehen und ernten werden, die dann auch ihre Erfolge sein werden. Es ist schlichtweg unmöglich, dass die Sudbury Schule Ammersee keinen bedeutenden Beitrag zur Gesellschaft und zur Entwicklung der bayrischen Bildungslandschaft leisten wird. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Belege dafür.

Die Schwierigkeit jeder Innovation, jedes revolutionären Gedankens und Projektes ist es, wenn es nach alten Methoden beurteilt wird. Auch der Sudbury Schule Ammersee wird man nicht gerecht, wenn man sie nach überholten Maßstäben beurteilt, wenn Lernen nur als Unterricht, den ein Lehrer Schülern gibt, verstanden wird, wenn nach isolierten Lerninhalten geguckt wird, anstatt komplexe Lernsituationen zu erkennen und anzuerkennen, wenn zeitliche Maßstäbe angesetzt werden, die jegliche Individualität ignorieren, wenn pauschalisiert wird - und auch, wenn geleugnet wird, dass die alten Wege ganz offensichtlich nicht mehr funktionieren. Den Verantwortlichen der Schule sehen die Notwendigkeit und den Wert externer Beobachtung und Begleitung und begrüßen diese als weiteren Beleg für das Funktionieren des zugrundeliegenden Konzeptes.

Allerdings braucht es hier neue Methoden und Gutachter, die offen sind, sich die entsprechende Erfahrung anzueignen, zum Beispiel durch Besuche anderer Sudbury Schulen und die intensive Auseinandersetzung mit dieser Art von Bildung. Hier anzusetzen und den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, die andere Schulen erfordern und glücklicherweise auch hervorbringen, auch mit entsprechenden Veränderungen in den Institutionen und der Verwaltung zu folgen, wäre ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Es wäre ein großer Irrtum, sich diesen neuen zukunftsweisenden Wegen, die an der Sudbury Schule Ammersee gegangen werden, zu verschließen. Die Art, wie Bildung an der Sudbury Schule praktiziert wird, entspricht nicht nur den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft, sondern ebenso denen zahlreicher Praktiker aus Politik und Wirtschaft. Diese Art von Bildung ist zukunftsweisend. Über kurz oder lang wird sich dem niemand entziehen können! 

Unterschriebenes Dokument 

 

Peter Gray - Vortrag

Internationaler Wissenschaftlicher Beirat Sudbury Schule Ammersee

Modernste psychologische, neurobiologische, pädagogigische und auch philosophische Erkenntnisse unterstützen uns in unserem Anliegen...

Die Demokratische Bildungsbewegung wächst und mit Ihr auch der wissenschaftlicher Beirat der Sudbury Schule Ammersee.

Hier finden Sie die Auflistung der Wissenschaftler, die uns im Aufbau der Schule begleiten und ebenso die internationale demokratische Bildungsbewegung in vielfältiger Hinsicht unterstützen und stärken.  

Wissenschaftlicher Beirat

Peter Gray, Ph.D.

Peter Gray Ph. D.

Peter Gray ist Professor für Psychologie an der Universität Boston/ USA. Er forscht im Bereich natürliches Lernen, Selbstbestimmtes Lernen, die Bedeutung des Spiels. U.a. verfasste er einige Artikel über die Sudbury Valley School.

Hier der Link zu seinem Blog Freedom to learn und seinem Buch Free to Learn.

Und hier ein Interessanter Link zu einem Vortrag über "Mother earth paedagogik" und ein Link mit Audioaufnahmen zum Thema: Die Bedeutung des Spiels

Interview mit Gerald Hüther

.

Gerald Hüther - ein neues gesellschaftliches Miteinander

Demokratiebildung in Israel

 

Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterstützt Förderinitiativen, die einen Beitrag zur Demokratiebildung junger Menschen leisten. Die nun vorliegende Studie zu Modellen der Demokratiebildung in Israel ist der Stiftung ein besonderes Anliegen. Sie gibt nicht nur einen Überblick über das israelische Bildungssystem, sondern vermittelt anschaulich eine beeindruckende Breite von Ansätzen zur demokratischen Bildung in Israel. Link

 

Prof. John Moravec

John Moravec ist Professor für vergleichende internationale Schulentwicklung an der Universität Minnesota/USA. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich des Invisible Learning. Hier ein Link zu seiner Website Education Futures. und ein link zu seinem Manifesto15

Expertise Sudbury Schule München

In dieser Expertise überarbeitete und erweiterte der Verein Sudbury München e.V. die Expertise der Neuen Schule Hamburg.

Inhalte:

  • Hannam Report (Pilotstudie über die Auswirkungen umfangreicher Partizipation von  Schülern.
  • Die demokratiepolitische Bedeutung von informellen Lernens
  • Studie über die Leistungen an der Circle School (Sudbury Schule in den USA)
  • Demokratiebildung in Israel

 

Expertise des Konzeptes der Neuen Schule Hamburg

Von Henning Graner

Die Neue Schule Hamburg ist eine demokratische Schule und ging im Herbst 2007 an den Start. Die Schule ist eine der ersten genehmigten Schulen in Deutschland, welche sich am Konzept der Sudbury Valley Schule orientiert.

In der Expertise des Konzeptes der Neuen Schule Hamburg wird im Wesentlichen auf zwei wissenschaftliche Studien Bezug genommen. Zudem wird auf schulinterne Studien an Sudbury Schulen eingegangen.

 

Projektarbeit: Freiheit und Demokratie an Freien Alternativschulen

von Martin Wilke

(aus der Einleitung:) In der vorliegenden Projektkursarbeit möchte ich mich mit Freiheit und Demokratie in Freien Alternativschulen in Deutschland befassen. Dabei geht es vorrangig darum, wieviel Selbstbestimmung und Mitbestimmung es in den freiesten dieser Schulen gibt. Um aber zugleich auch die Grenzen freier Schulkonzepte in Deutschland aufzuzeigen, werde ich auf die Schwierigkeiten eingehen, die es auf dem Weg zu ihrer Genehmigung gab, und auch auf freie Schulen, die gar nicht erst genehmigt wurden.

Schulen dienen dem Staat auch zur Erziehung der künftigen Staatsbürger. Daran, inwelchem Maße der Staat konzeptionell abweichende Schulformen zulässt – insbesondere konzeptionell freie Schulen – zeigt sich, wie frei und demokratisch ein Staat tatsächlich ist. Das Ausmaß des Pluralismus zeigt sich an den radikalsten Schulen, die genehmigt wurden und jenen, die nicht genehmigt wurden.

Interessanterweise hat der demokratische Neuanfang in der DDR ab 1990 mit der Freien Schule Leipzig eine freie Schulform hervorgebracht, die jetzt zu den freiesten in derBundesrepublik zählt. Neben dieser möchte ich die 1974 gegründete Freie Schule Frankfurt in Frankfurt am Main untersuchen sowie die 1979 gegründete Freie Schule Berlin in Berlin-Tempelhof. Damit ist eine Schule aus der alten Bundesrepublik, eine aus Westberlin und eine aus der Endzeit der DDR vertreten.

Aus Berlin und Leipzig gibt es jedoch auch Beispiele von freien Schulen, die nicht genehmigt wurden, so die Freie Schule Berlin-Kreuzberg und die Sudbury-Schule Halle-Leipzig.

 

"Lernen macht Spaß!"

Von Prof. Dr. Gerald Hüther

Prof. Hüther leitet die Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen.
Seine Forschungsschwerpunkte betreffen die Auswirkungen, die Angst, Stress, psychische Abhängigkeiten und Ernährung auf das Gehirn nehmen sowie die Beeinflussbarkeit der kindlichen Hirnentwicklung durch psychosoziale Faktoren und psychopharmakologische Behandlungen.

Neben ca. 150 Originalarbeiten auf dem Gebiet der experimentellen Hirnforschung in internationalen Fachzeitschriften hat er noch meherer wissenschaftliche Monographien sowie populärwissenschaftliche Sachbücher publiziert. Er ist Mitglied verschiedener Fachgesellschaften und Mitherausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften und Fachbücher

 

Magisterarbeit Demokratische Bildung

von Ruth Kittel

Dass Bildung bzw. Entwicklung ohne einen für alle gültigen übergeordneten Plan, ohne offenes oder verstecktes Curriculum, ohne Motivation oder Anleitung durch professionelle Erwachsene usw. möglich sein kann, proklamiert das Sudbury Schulkonzept. Kann eine solche Bildungsform überhaupt realistisch sein in Anbetracht der Tatsache, dass Menschen bzw. Umwelt und Kultur immer auf andere einwirken? Kann es also so etwas wie Selbstbestimmung in der Bildung überhaupt geben bzw. wäre eine latent vorhandene Fremdbestimmung ein Problem in einem Umfeld, das auf Selbstmotivation und Selbststeuerung ausgerichtet ist?

In diesem Sinne befasst sich diese Magisterarbeit von Ruth Kittel mit der Idee der demokratischen Bildung, wie sie an Sudbury Valley Schulen praktiziert wird. Dabei geht es zuerst einmal darum, wie sich die so genannte demokratische Bildung nach diesem Konzept selbst versteht. Auf was ist sie aufgebaut? Warum nennt sie sich demokratisch und wie unterscheidet sie sich von traditioneller Erziehung bzw. welche Sicht auf das Lernen spiegelt sie wieder? Auf welchen Grundlagen baut diese Bildungsform auf und welche Möglichkeiten im Bezug auf aktuelle Problematiken unserer Zeit, wie z.B. Chancengleichheit, lebenslangen Lernen und Flexibilität, Leistungsgesellschaft, Konfliktfähigkeit bzw. Umgang mit der eigenen Freiheit könnte sie bieten?

 

(Die Magisterarbeit kann auch beim GrinVerlag gedruckt bestellt werden.)