Sudbury-Schüler lassen sich das Lernen nicht verbieten

Pressemitteilung

 

Nachdem die Regierung ihre Schule geschlossen hat, unternimmt die Schulgemeinschaft alles, um möglichst bald wieder eröffnen zu können. Bis dahin trifft sie sich privat, um die Sudbury Philosophie weiter zu leben.
Im Eingangsbereich der Sudbury Schule Ammersee stehen noch die Plakate von der Demo. „Wir lieben unsere Schule!“ steht da, oder „Ja zu demokratischen Schulen in Bayern!“


Am ersten Schultag hatten Schüler, Eltern, Mitarbeiter und Unterstützer vor dem Kultusministerium protestiert: gegen die Schließung ihrer Schule, an der die Schüler zwei Jahre lang selbstbestimmt und nach demokratischen Strukturen gelebt und gelernt hatten - und glücklich waren. Angeblich, so der Vorwurf der Regierung, würde hier nicht genug gelernt.


Jetzt, im zweiten Monat nach dem Schock, ist das Schulhaus in Ludenhausen voller Leben und man fragt sich, wie das sein kann – in einer Schule, die es eigentlich gar nicht mehr geben darf: Im Atelier malen zwei Mädchen mit Plakafarben, eine jüngere Schülerin schreibt konzentriert Buchstaben in ein Heft, nebenan diskutieren drei Jungen ganz aktuell das Thema Schulpflicht, ein Mädchen pflanzt ein Avocadobäumchen, eine Gruppe Jugendlicher beschäftigt sich mit Prozentrechnung. Letztere hatten geplant, am Ende des Schuljahres ihren „Quali“ zu machen – und sie haben nicht vor, sich davon abhalten zu lassen. An den Vortagen waren Deutsch und Englisch dran.


Dies alles geschieht seit der Schließung freiwillig in privaten Zusammenkünften an drei Nachmittagen pro Woche - die Ironie kann kaum übersehen werden: Das, was laut Regierung zu wenig passiert, nämlich das Lernen, tun die Schüler aus eigenem Antrieb weiter, obwohl sie gar nicht müssten. An manchen Nachmittagen sind es bis zu 30 der zuletzt 45 Schüler, manche lassen hierfür sogar ihr Fußballtraining oder andere Termine sausen. „Die Schule ist mir wichtiger“, sagt mit Nachdruck der 14-jährige Christian. Andere machen an den Nachmittagen die Hausaufgaben für ihre neuen Schulen – denn die Schulpflicht können sie an der Sudbury Schule zurzeit nicht erfüllen.


Vorstandsmitglied Monika Wernz überrascht das Engagement der Schüler nicht. Sie sagt: „Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Die Schüler können ihren individuellen Interessen nachgehen. Niemand übt Druck aus.“


Dabei ist ihr wichtig zu betonen, dass Lernen im Sudbury-Kontext viel mehr bedeutet, als nur Fachwissen zu erwerben. Monika Wernz: „Zum Beispiel sich selbst kennenzulernen, Muße zu haben, zu spielen, zu diskutieren. Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass solche Aspekte immer noch so wenig beachtet werden!“


Für die Schulvertreter ist offensichtlich, dass die Gründe für die Ablehnung vorgeschoben sind und viel mehr die persönliche Abneigung eines Regierungsvertreters sowie die mangelnde Auseinandersetzung mit dem Konzept ausschlaggebend waren.


Auch zahlreiche Experten stellen sich mit Nachdruck hinter die Sudbury-Schule, darunter Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayrischen Lehrerverbandes, und die renommierten Bildungsforscher Ulrich Klemm und Gregor-Lang-Wojtasik, die gemeinsam mit Sabine van Lück für die wissenschaftliche Begleitung der Schule verantwortlich waren. Diese kommt nach zwei Jahren Forschung ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Schul-Philosophie aufgeht.


Die Schulvertreter hoffen nun, dass ihre Beschwerde gegen die Ablehnung des Eilantrags Erfolg hat und sie möglichst bald zumindest vorübergehend wieder eröffnen können. Bis zum Hauptverfahren hingegen kann es noch dauern.
Weiterhin findet jeden Abend eine Mahnwache statt, ein Filmteam begleitet den Prozess, Unterstützer haben eine Petition gestartet, andere Geld gespendet. Auch aus der Politik kommt Hilfe und der israelisch-deutsche Filmemacher Emanuel Rund setzt sich für die Schule ein. Und die Schüler und Mitarbeiter planen ihre nächste Aktion vor dem Kultusministerium. Es soll darum gehen, verborgene Talente zu zeigen.


Trotz allem Kämpfergeist ist die aktuelle Situation für viele Schüler eine große Herausforderung, zumal die Sudbury-Schule für viele die erste Schule war, an der sie sich sicher und angenommen fühlten. So herrscht auch viel Verunsicherung, Traurigkeit und immer noch Fassungslosigkeit.

Spendenaufruf:
Die Sudbury-Schule ist dankbar für jede Spende!
Für den Erhalt der Sudbury Schule Ammersee, für Bildungsvielfalt und Gerechtigkeit!
Spendenkonto der Stadtsparkasse München
IBAN: DE12 7015 0000 0037 1083 70
BIC: SSKMDEMM

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