Schulterschluss für die Demokratie

In einer israelisch-deutschen Kooperation werden die Werte der Demokratie mit jugendlichen Flüchtlingen erarbeitet.

Pressemitteilung

Das Generalkonsulat des Staates Israel, das SOS-Kinderdorf Dießen, das Landratsamt Landsberg und die Sudbury Schule Ammersee haben im Schulterschluss Workshops entwickelt, in denen mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen Werte und Inhalte der Demokratie und vor allem ihre praktische Umsetzung erarbeitet werden sollen.

Zum Auftakt dieses Projekts möchten wir Sie herzlich einladen, zur Eröffnungszeremonie Freitag, 24. Juni 2016, 13:00 – 15:00 Uhr Sudbury Schule Ammersee, Hauptstr.18 (Zugang über Wirthsweg)

Zum Ablauf: Um 13.00 Uhr werden Begrüßungsworte von Dan Shaham, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Thomas Eichinger, Landrat von Landsberg, Erich Schöpflin, Leiter des SOS-Kinderdorfs Dießen und Vertreter der Sudbury Schule Ammersee gesprochen. Anschließend gibt es einen kleinen Imbiss und Schüler führen durch die Schule.

Die Workshops werden am Wochenende beginnen. Über Ihr Kommen zu dieser Veranstaltung würden wir uns sehr freuen! Bei einem ersten Gespräch im Herbst letzten Jahres hatte Dan Shaham, Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland, Vertretern der Sudbury Schule Ammersee, seine Idee zu diesem Projekt vorgestellt.

Dan Shaham: „Demokratie ist Teil unseres täglichen Lebens in unserer Gesellschaft. Wir nehmen Demokratie als eine Selbstverständlichkeit an, doch es ist vielmehr ein Prozess. Für viele Menschen in der Welt ist sie keine Realität. Die Menschen im Nahen Osten haben durch den Mangel an Demokratie gelitten und fliehen vor autoritären Regimen aus ihren Ländern. Wir wollen mit den Jugendlichen zusammenarbeiten, damit wir die Werte, nach denen Deutsche und Israelis leben, auch mit ihnen teilen können. Ich sehe es als eine große Chance an, dass Deutsche und Israelis zusammen arbeiten, um mit andern Völkern diese Werte und Lektionen der Geschichte zu teilen, für eine gemeinsame, bessere Zukunft.“ Die Vertreter der Sudbury Schule Ammersee waren sofort begeistert und bereit mitzumachen.

Die Schule hatte im September 2014 in Ludenhausen als erste sogenannte „Demokratische Schule“ Bayerns eröffnet. An der Sudbury Schule Ammersee entscheiden die Schüler selbst, was und wie sie lernen und sie treffen alle relevanten Entscheidungen bezüglich der Schule gleichberechtigt mit den Mitarbeitern. Mutterschule ist die Sudbury Schule in Boston, Massachusetts, die seit fast 50 Jahren erfolgreiche Arbeit macht. In Israel sind die demokratischen Schulen seit Jahrzehnten etabliert. Bereits in der Gründungsphase hatten Vertreter der hiesigen Schule enge Kontakte zu israelischen Vertretern demokratischer Bildung und vor allem den dortigen Sudbury-Schulen aufgebaut, Freundschaften sind entstanden. Die Zusammenarbeit mit dem Israelischen Konsulat freut die Vertreter der Sudbury Schule Ammersee deshalb ganz besonders. Zwei Mitgründer der Sudbury-Schule Jerusalem, Naftali und Shoshana Sappir, werden ebenfalls nach Ludenhausen kommen und den Workshop begleiten. Auch Landrat Thomas Eichinger, Vertreter des Jugendamtes, SOS-Kinderdorfleiter Erich Schöpflin sowie sein Team waren sofort offen für die Idee – und nicht zuletzt die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge selbst, mit denen inzwischen bereits die ersten Treffen stattgefunden haben. Landrat Thomas Eichinger sagt zu den Workshops: „Die Unterbringung, die Versorgung und vor allem auch die Integration junger Flüchtlinge ist für uns alle eine große Herausforderung. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir im Landkreis Landsberg am Lech mit dem SOS Kinderdorf einen so starken und kompetenten Partner gefunden haben. Ich bedanke mich bei der Sudbury Schule, bei Herrn Dr. Dan Shaham und allen Beteiligten, dass das Projekt zur Vermittlung unseres Demokratieverständnisses für junge Flüchtlinge zustande gekommen ist.“

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge des Landkreises werden vom SOS-Kinderdorf Dießen betreut und die Workshops werden zunächst mit Flüchtlingen der Wohngruppe Kaufering durchgeführt. Erich Schöpflin betont: „Ein wichtiger pädagogischer Auftrag für die gelingende  Integration unbegleiteter minderjähriger  Flüchtlinge ist die Vermittlung demokratischer Werte und Prinzipien. Diese Wertevermittlung beginnt schon mit dem Einzug in die Wohngruppe, gilt es doch, sich mit den Mitbewohnern und Mitarbeiterinnen auf gemeinsame Regeln des  Zusammenlebens, über Rechte, aber auch Pflichten zu verständigen.  Das Projekt der Sudbury-Schule, diese Fähigkeiten in einer Workshopreihe einzuüben, ist für uns  eine wichtige Unterstützung und eine Verstärkung unserer beteiligungsorientierten Pädagogik.“

Die Mitarbeiter der Sudbury Schule freuen sich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit den jugendlichen Flüchtlingen. Gerlinde Rüdinger-Wagner, Vorstandsmitglied der Schule, sagt dazu: „Demokratie ist an unserer Schule kein Unterrichtsfach, sondern täglich gelebte Praxis. Sie ist für uns die beste Form, sich selbst mit all seinen Fähigkeiten und Talenten zu erfahren. Wir erleben in der Schule immer wieder, wie Menschen, die gesehen werden, die akzeptiert werden, wie sie sind, die eine Stimme haben und sich selbst als wirkungsvoll und mitgestaltend erleben, in ihre Kraft kommen. Es ist dann ganz natürlich, sich in die Gemeinschaft einzubringen und seinen Beitrag zu leisten. Das ist Reichtum! Etwas Schöneres gibt es doch nicht!“

Hinweis: Für diejenigen, die nicht persönlich zu der Veranstaltung kommen können, werden wir bis Sonntagvormittag einen Text und Fotos zu der Veranstaltung schicken.

Zurück