Pressemitteilung zum Schuljahresende

Die Sudbury Schule Ammersee - eine Schule, die man am Wochenende vermisst 

 

„Ich hätte nicht gedacht, dass es sowas gibt: Dass man seine Schule am Wochenende vermisst…“. Das sagt mit einiger Verwunderung ein Schüler der Sudbury Schule Ammersee, der auf sein allererstes Schuljahr zurück blickt. Es ist so manches anders an dieser Schule, die im September 2014 in Ludenhausen gestartet ist: An der ersten Sudbury Schule Bayerns entscheiden die Schüler konsequent selbst, was und wie sie lernen. Es gibt keine Klassen und keinen festen Unterricht. Gemeinsam und gleichberechtigt bestimmen Schüler und Mitarbeiter die Regeln der Schule.

Entwickelt worden ist dieses Schulmodell, das inzwischen in vielen Ländern erfolgreich umgesetzt wird, an der Sudbury Valley School in Massachusetts. Viel ist passiert seit Schulbeginn, und alles auf Initiative der Schüler: Eine Imkerei wurde ins Leben gerufen, es wurde Theater gespielt, Musik gemacht, gebastelt, gelesen, geschrieben, sich der Muße hingegeben. Unzählige Gespräche über Gott und die Welt fanden statt, regelmäßig bekochten Schüler die ganze Gemeinschaft, eine Fahrt auf den Reiterhof wurde veranstaltet, die erste Schülerin absolvierte erfolgreich ihren Quali an der Mittelschule in Rott und so vieles mehr, von dem manches sichtbar und noch viel mehr unsichtbar ist.

Dem Schulkonzept zugrunde liegt die Überzeugung, dass jeder Mensch an besten herausfindet, wer er ist und was er will, wenn er Raum und Zeit dafür bekommt und mit seiner Persönlichkeit da sein darf. Manchen Schülern ist das von Beginn an leicht gefallen, vor allem den jüngeren, für die diese Art zu lernen oft ganz natürlich ist. Sie kommen morgens in die Schule und sind intensiv beschäftigt bis zum Nachmittag. Andere Schüler, die zuvor an anderen Schulen waren, mussten und müssen erst wieder lernen, selbst aktiv zu werden. Und so gehörten auch Frust und Langeweile zum ersten Jahr.

Sprecherin Monika Wernz sagt: „Für uns sind das ganz wichtige Prozesse. Oft stellen wir fest, dass die Schüler, wenn sie solche Krisen überwunden habe, in ihre Kraft kommen und plötzlich ganz anders dastehen.“ Was dann passiert, wenn die Schüler ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen, ist immer wieder umwerfend: Eine Schülerin, die sich in den ersten Monaten völlig zurückgezogen hatte, wurde im Laufe des Jahres immer offener, ging verstärkt in Kontakt zu anderen und übernimmt mittlerweile wichtige Aufgaben. Ein Schüler, dem an seiner ehemaligen Schule Legasthenie bescheinigt wurde, schreibt freiwillig und gewissenhaft Protokolle. Ein anderer Schüler, sechs Jahre alt, arbeitete über Wochen und Monate intensiv zum Thema Greifvögel und präsentierte schließlich einen umfangreichen Vortrag dazu - souverän und detailreich.

Der Freiheit des Einzelnen liegen an der Sudbury Schule klare Regeln zugrunde, die in demokratischen Prozessen von Schülern und Mitarbeitern gemeinsam festgelegt und immer wieder ergänzt, verfeinert und verändert wurden. Beispielsweise konnte sich eine Mitarbeiterin zunächst nicht durchsetzen, die vorschlug, dass man auf dem Flur nicht rennen dürfen sollte. Einige Wochen später sprachen sich plötzlich Schüler für genau diese Regel aus, weil auch sie es sich ruhiger wünschten. Die Regel wurde von der Schulgemeinschaft verabschiedet – mit einer ganz anderen Kraft. Bleibt das große Thema Geld: Als private Schule bekommt die Sudbury Schule Ammersee in den ersten zwei Jahren nur geringe Zuschüsse und ist dringend auf Unterstützung angewiesen.

Mitarbeiterin Gerlinde Rüdinger-Wagner sagt: „Wer die Schule besucht, spürt sofort, wie sich die Kinder verwandeln, wenn sie selbst über ihr Leben bestimmen können. Das funktioniert! Wir suchen gezielt nach Menschen und Unternehmen, die diese Art von Bildung fördern möchten!“ 

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