Ulrich Hergert, Vater – 26. September 2016

Heute ist Montag, der 26. September 2016

Gerade kommt unsere Tochter von ihrem „ersten“ Schultag an der zuständigen Mittelschule nach Hause. Sie hatte gestern Nacht spontan entschieden, dass sie diese Woche zur Probe auf die hiesige Schule gehen möchte. Nächste Woche evtl. zur Probe auf die zuständige Realschule.

Nach vier Stunden Unterricht steht sie wieder in der Tür und berichtet davon, dass sie sich in dieser Schule hoffnungslos unterfordert fühlt. „Englisch is voll easy und GSE auch“. Ihr kommt es so vor, als ob sie wesentlich mehr könne als die anderen Schüler dieser Klasse. Sie wurde nicht vorgestellt, lediglich vom Lehrer nach ihrem Namen gefragt. Es gab keine Zeit zum Kennenlernen, stattdessen musste sofort UNTER-RICHTET werden, angefangen mit einem Vokabeltest!

Wie soll Integration funktionieren, wenn die Zeit angeblich nicht mal dafür ausreicht, Neuzugänge während des Schuljahres in die Klasse einzubinden?
Welche Wertigkeit drängt sich diesen Schülern auf, wenn sie doch nur aus Verwaltungsgründen in eine Klasse gesetzt werden?
Wo bleibt der Respekt, den sich die Behörden von uns allen erwarten?

Am liebsten würde unsere Tochter wieder auf die Realschule gehen. Aber das ist – zumindest in ihrer Jahrgangsstufe – ohne Aufnahmeprüfung nicht möglich. Und die Prüfungen sind bereits gelaufen – so die Aussage der Schulleitung.
Fassen wir zusammen.

Die Regierung von Oberbayern schließt die Sudbury Schule Ammersee. Nach geltendem Recht sind die Eltern verpflichtet, ihre Kinder auf die Schule zu schicken (Schulpflicht). Die Schule, die zur Aufnahme der Schüler verpflichtet ist, kann keine adäquate Ausbildung anbieten, das Niveau ist einfach viel zu niedrig und unsere Tochter ist absolut unterfordert. Die Schule, die für ihren Wunsch nach Bildung das entsprechende Alters- und Lernniveau anböte, darf sie nicht in ihrer Klasse besuchen, weil sie eine Aufnahmeprüfung Anfang September hätte bestehen müssen. Sie muss dort jetzt die vorherige Klasse wiederholen und ist dadurch deutlich die Älteste.

Der Freistaat verhindert damit aktiv eine adäquate Ausbildung und Beschulung seiner Kinder und stellt uns Eltern an den Rande der Kriminalität, weil wir derzeit keine vernünftige, kindgerechte, freie oder gar selbstbestimmte Alternative zum weltweit etablierten und hervorragend funktionierenden Sudbury-Schulsystem sehen!!!
Die eigentliche Katastrophe ist aber das Unwohlsein unsere Kinder, die in dieser verrückten Situation von äußeren Kräften hin und hergezogen werden!

Wo ist die Regierung hier um das Wohlergehen der Kinder bemüht?
Woran lässt sich an der Sudbury-Schule ablesen, dass Lernziele gleichwertiger staatlicher Schulen angeblich nicht erreicht wurden?
Wem schadet es, wenn Kinder frei, demokratisch, selbstbestimmt, aktiv, selbstbewusst und selbstverantwortlich aufwachsen?

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