Über eine Sudbury-Absolventin – 4. August 2016

 
Bericht vom 4. August 2016 über eine Sudbury-Absolventin, die gerade ihren Qualifizierenden Mittelschulabschluss erlangt hat.

Meine Tochter hat die Sudbury Schule Ammersee zwei Jahre lang besucht und mit dem Qualifizierenden Mittelschulabschluss abgeschlossen. Ab September wird sie die Goldschmiedeschule besuchen, an der sie einen der äußerst begehrten Plätze erhalten hat (nach erfolgreichem Durchlaufen des Aufnahmeprozedere und Ablegen der Aufnahmeprüfung).

Die Sudbury-Schule war für meine Tochter und die gesamte Familie ein absoluter Glücksfall. Diese Schule muss auf alle Fälle erhalten bleiben, da sie auf optimale Weise die eigentlich natürlich vorhandene Eigenmotivation der Kinder bewahrt oder, falls diese schon gestört ist, wie es bei meiner Tochter der Fall war, wiederbelebt. Diese Schule bietet die Grundlage dafür, dass die Kinder ihre individuellen Begabungen und so auch ihre Berufung entdecken und herausarbeiten können und, durch die hier gelernte Eigenverantwortlichkeit werden sie damit mit größter Wahrscheinlichkeit auch erfolgreich werden. 

Für uns war die Sudbury-Schule die Rettung, da meine Tochter seit Einschulung immer wieder schwerwiegende Probleme mit dem Regelschulsystem hatte. Als sehr sensible und höchst soziale Persönlichkeit litt sie vielleicht mehr als andere unter der altershomogenen Klassenstruktur mit der üblichen Konkurrenz untereinander und reagierte mit beträchtlichen Symptomen. In der 6. Klasse war sie (obwohl durch und durch kreativ veranlagt) Klassenbeste, worauf sie wie selbstverständlich auf den M-Zweig wechselte. Hier wurde sie dann so unglücklich, dass sie auch die Freude am Leben verlor. Sie verweigerte den Schulbesuch komplett. Eineinhalb Jahre waren wir in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen und Behörden auf der Suche nach einer Lösung. In dieser Zeit zu Hause erholte sie sich und nutzte die Zeit unter anderem für ihre Kreativität und um sich in eigene Projekte zu vertiefen. 

Schon im Vorfeld der Eröffnung der Sudbury-Schule 2014, brachte sich meine Tochter äußerst engagiert in die Vorbereitungen mit ein. Unter anderem bereitete sie sich mit den Mitarbeitern darauf vor, bis zu den ersten Wahlen im neuen (ersten) Schuljahr die Schulversammlung zu leiten (das Hauptorgan in der demokratischen Struktur der Schule). Diese Versammlung fand anfangs  mehrmals wöchentlich statt, später, bis auf Sonderversammlungen, noch einmal in der Woche. (Da sie die Leitung so umsichtig, kompetent und verantwortungsvoll ausführte, wurde sie dann auch wiedergewählt.)

Im Laufe ihrer zweijährigen Schulzeit brachte sie sich in den unterschiedlichsten Gremien (z. B. dem Justizkomitee) ein und war sehr initiativ, indem sie unter vielem anderem anfing die Schule zu bekochen. An der Schule konnte sie ihre kreative Schaffenslust voll ausleben, genoss es zur Schule zu gehen und vertiefte ihre Sozial- und anderen Kompetenzen. Neben der Aneignung von Wissen war eine beachtliche Persönlichkeitsreifung zu beobachten.

Als sie sich dann entschied, sich auf den Quali vorzubereiten, ging das gezielte Lernen auf den Abschluss sehr viel geschmeidiger und freudvoller als damals bei ihrem älteren Geschwister an der Regelschule. Ich spreche hier  von gezieltem Lernen, da das Meiste, was sie hier gelernt hat, durch keinerlei der üblichen Tests oder Abschlüsse nachweisbar sein wird. Dass dies alles aber auch von äußerem Erfolg gekrönt wurde, bestätigt, dass dieses Schulsystem sich definitiv bewährt hat!

Goldschmiedin ist ihr Traumberuf. Dies hat sie an der Sudbury-Schule rausgefunden und hier auch schon eifrig eigene Schmuckkreationen hergestellt und sich eine wunderschöne Bewerbungsmappe zusammengestellt. Dadurch hat sie sich optimale Voraussetzungen geschaffen, um nun tatsächlich an der Goldschmiedschule angenommen worden zu sein und um diese auch erfolgreich zu beenden.

Momenten ist sie kurz davor ihre Führerscheinprüfung abzulegen und schaut zuversichtlich einer vielversprechenden Zukunft entgegen.   

Vor einiger Zeit machten wir am Campingplatz Bekanntschaft mit einer Familie. Der Vater ist Vorstand einer großen Firma und auch involviert in die Personaleinstellung. Er versicherte mir, er würde meine Tochter sofort einstellen, da sie über Kompetenzen verfügen würde, die leider absolut selten anzutreffen wären. In dieser Firma würden sie auch Schulzeugnisse kaum mehr beachten, da sie nach ihren Erfahrungen absolut nichtssagend wären.

Fazit: Die Sudbury-Schule ist das Beste, was uns passieren konnte!

 
 
 

Zurück