Bericht eines Vaters an den Richter – 28. September 2016

 

Sehr geehrter Richter,

Als Vater unseres 11-jährigen Sohnes möchte ich mich für das Fortbestehen der Sudbury Schule Ammersee einsetzen.

Die demokratische Schule ist die selbstgewählte Schulform unseres Sohnes und es gäbe für ihn keine Alternative.

In meinen Augen verändert sich das Bewusstsein der Heranwachsenden, denn was unser Sohn nicht gewählt hat, wird er auch nicht tun.

Was mir als Erstes auffiel nach dem Wechsel auf die demokratische Schule, ist die Unvoreingenommenheit und Offenheit, mit der er auf fremde und unbekannte Menschen und Situationen zuging. Es ist eine lebensbejahende Haltung und ein konstruktives, problembewusstes Denken, das sich in kurzer Zeit entwickelt hat.

Über alles Weitere brauche ich mir keine Sorgen zu machen, denn wenn ein Wille entstanden ist, dann gibt es eben auch den Weg dazu. 

Wenn man jetzt die Sudburry-Schule mit den üblichen Parametern messen wollte, wird man vielleicht feststellen, dass es nicht die gleichen Ergebnisse gibt wie in den herkömmlichen Schulformen, aber das liegt nicht an der demokratischen Schulform, sondern daran, dass die Parameter keine Messergebnisse liefern für Sozialkompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit, Interesse, Motivation, Bereitschaft und Problem-Bewusstsein.

Das alles lässt sich schwer in Zahlen ausdrücken, weil es Erfahrungswerte sind.

Was mich auch sehr verwundert, ist, wie grundsätzlich eine so engagierte Initiative wie das „Gründen einer Schule“ behandelt wird.

Von den Initiatoren wird etwas erwartet, was, wenn man die gesellschaftsüblichen Parameter anlegt, „unmöglich“ ist:

Sie sollen den Schülern mit ihrer Präsenz zur Seite stehen, sie sollen konzeptionell den Inhalt mit gestalten, sie sollen die Schule finanziell auf sichere Füße stellen ohne direkte Unterstützung und sie sollen oben drauf um das "Recht zu sein“ kämpfen, was im Moment so sehr die Aufmerksamkeit bindet.

Was ich über die Entwicklung meines Sohnes gelernt habe ist, dass zu jeder Initiative Motivation nötig ist und zu jeder Motivation ein bejahendes Umfeld, der Nährboden, auf dem die Samen wachsen können.

Wenn ich aber die Vorgehensweise des Schulamtes betrachte, sieht das für mich eher so aus, als wenn diesem, schon sprießenden Keim das Wasser abgegraben werden soll.

Es ist eine wahrhaft hohe Bereitschaft der Initiatoren, über die Hürden der bestehenden Strukturen hinweg in sich selbst immer wieder die Motivation aufzubauen, „trotzdem“ dran zu bleiben und dieses „Feld zu beackern“, dem das Wasser fehlt.

Und wenn es das ist, was mein Sohn gelernt hat auf der Sudbury Schule Ammersee, dann mach ich mir wirklich keine Sorgen mehr – alles andere ist dann Routine – und wenn ich damit in die Zukunft blicke, seh´ ich eine Chance in dieser Welt, in der die herkömmlichen Systeme an ihre Grenzen geraten.

Mit großem Respekt vor allen Menschen mit dem Engagement, sich für ihre innere Wahrheit einzusetzen,

herzliche Grüße.

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